Die Glienicker Brücke – die legendäre Spionenbrücke zwischen Ost und West

Als eines der Symbole für den Kalten Krieg zwischen den West-Mächten und dem Ostblock gilt die Glienicker Brücke zwischen Potsdam und Berlin-Wannsee. Sie wurde Schauplatz legendärer Agentenaustausche.

Nebelschwaden und eine unheimliche Stille liegen über dem Fluss Havel und hüllen die Glienicker Brücke in einen geheimnisvollen Antlitz. So soll die Brücke von den Patrouillenbooten aus kurz vor dem spektakulärsten Agentenaustausch des Kalten Krieges ausgesehen haben.

Die Glienicker Brücke ist daher ein besonders geschichtsträchtiger Havelübergang, auch wenn das heute auf dem ersten Blick kaum vorstellbar ist. Der Stahlkoloss verbindet die Landeshauptstadt Potsdam mit dem Südwestzipfel Berlins. Während man für diese knapp 130 Meter lange Wegstrecke heute nur wenige Augenblicke benötigt, war das über viele Jahrzehnte Teil der hermetisch abgeriegelten Grenze zwischen Ost und West. Kurioserweise liegt der Ostteil geografisch im Westen und Westberlin im Osten.

Gleich mehrfach wurde dieser Grenzübergang während des Kalten Krieges genutzt, um Agenten der sich gegenüberstehenden Machtblöcke auszutauschen. Die Brücke eignete sich dafür besonders, da sich das Umfeld besser überwachen ließ, als in der dicht bebauten Berliner Innenstadt, wie am berühmten Checkpoint Charlie. Der sowjetische Top-Spion Rudolf Iwanowitsch Abel, einer der bekanntesten und brillantesten Spione der Sowjetunion, wurde an einem kalten Februarmorgen im Jahr 1962 gegen den amerikanischen Piloten Francis Gary Powers ausgetauscht. Abel spionierte seit dem Ende der 1940er Jahre die Atomgeheimnisse der USA aus, wurde 1957 in den USA enttarnt und zu 45 Jahren Haft verurteilt. Powers hingegen wurde bei einem spektakulärem Spionageflug über der Sowjetunion abgeschossen und gefangen genommen. Dieser Coup bescherte dem sowjetischen Präsidenten Nikita Chruschtschow einen ungeahnten Propagandaerfolg über den „Klassenfeind“.

In den 1980er Jahren folgten zwei weitere Austausch-Aktionen, bei denen mehrere echte bzw. vermeintliche Agenten ausgetauscht wurden. Mit dem Mauerfall wurde die Brücke geöffnet und die Grenzanlagen innerhalb kurzer Zeit vollständig zurückgebaut.

Als im Herbst 2014 Steven Spielberg auf der Brücke die entscheidenden Szenen für seinen Hollywoodfilm „Bridge of Spies“ drehte, erstrahlte der Potsdamer Himmel über dem Filmset im hellen Schein der Scheinwerfer. Für einen kurzen Moment machte die Brücke eine Zeitreise in die Vergangenheit von 1962.

Infobox

Glienicker Brücke

Anreise:

Tram oder Bus bis „Glienicker Brücke“

In der an der Glienicker Brücke liegenden Villa Schöningen befindet sich ein privates Museum mit einer kleinen Ausstellung zur Geschichte der Brücke. (Öffnungszeiten: Donnerstag-Sonntag 10:00-18:00; Eintritt: 9 Euro, ermäßigt: 7 €)

 



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