Der Reichstag und die rote Fahne – das Symbol für das Ende des Nationalsozialismus

Als Sowjetsoldaten auf dem Berliner Reichstag die sowjetische Flagge hissen entsteht ein Foto, dass sich im kollektiven Gedächtnis als das Bild des Kriegsendes eingebrannt hat.

Auf der Wiese vor dem Reichstag versammeln sich heute täglich Tausenden Touristen. Nichts erinnert heute daran, dass diese Wiese eines der letzten bedeutenden Schlachtfelder im Zweiten Weltkrieg war. Der Vorstoß auf den für die Sowjets symbolträchtigen Reichstag erfolgte aus dieser Richtung. Dabei hatte der Reichstag schon lange keine wirkliche Bedeutung mehr.

Nach dem Reichstagsbrand von 1933 und der Errichtung der nationalsozialistischen Diktatur durch Adolf Hitler verlor der Reichstag jegliche politische Bedeutung. Doch in der Sowjetunion war er nach wie vor das Symbol für das Dritte Reich. Dies lag vor allem an den Reichstagsbrandprozessen gegen bulgarische Kommunisten wie Georgi Dimitroff. Der Schauprozess wurde zu einem internationalen Medienereignis, in dem sich Georgi Dimitroff überraschend und triumphal verteidigen konnte, sodass er und seine Genossen letztlich freigesprochen und in Moskau als Helden empfangen wurden. Lediglich der niederländische Arbeiter Marinus van der Lubbe wurde verurteilt und hingerichtet.

Während in den Außenbezirken Berlins längst die Sowjets die neue Ordnung installierten, wurde im Herzen Berlins noch gekämpft. Der Reichstag war als eines der letzten von den Nazis gehaltenen Gebäude und besonders erbittert umkämpft. Stockwerk für Stockwerk und Raum für Raum mussten erobert werden. Erst nach tagelangen Kämpfen konnte er vollständig eingenommen werden. Das für den sowjetischen Fotografen Jewgeni Chaldej nachträglich inszenierte Hissen der sowjetischen Flagge gilt als das Bild der Befreiung und des Endes des Zweiten Weltkrieges. Mehr noch, es ist als Medienikone eines der berühmtesten Fotos des 20.Jahrhunderts.

Somit ist der Reichstag vor allem bei Touristen aus der ehemaligen Sowjetunion bis heute ein wichtiger Ort, um an den Großen Vaterländischen Krieg (1941-1945) zu gedenken. Im Innern des Reichstags befinden sich noch zahlreiche Graffiti der Sowjetsoldaten, denn in den ersten Wochen und Monaten nach dem Krieg entwickelte sich eine Art Tourismus, bei der das Bauwerk zu einem Wallfahrtsort für alliierte Soldaten avancierte.

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Infobox

Reichstag

Deutscher Bundestag, Platz der Republik 1, 11011 Berlin

Anreise:

U-Bahn 55 bis Bundestag, Bus 100 bis Platz der Republik oder Reichstag/Bundestag

Öffnungszeiten:

Besichtigung nur über geführte Touren

Web:

https://www.bundestag.de/kulturundgeschichte



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